Ich habe noch ganz genau das Bild vor Augen, als ich Matze Nürnberger das erste Mal sah,
Zwiesel, Jugendcafe und eine Couch,...ich glaube mich zu erinnern, das wir uns auf Anhieb
recht sympathisch waren und CDs unserer Bands tauschten. So hörte ich zum ersten Mal
das TAGTRAUM Debüt "trotz & träume", das mir gut gefiel, auch wenn ich bei einem der
Lieder ein "fuck you straight edge" zu hören glaubte.
Seither haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt und ich durfte Schritt für Schritt
die weitere Entwicklung von TAGTRAUM als Band und Individuen mitverfolgen.
Wie vier Menschen aus der Enge und Öde ihrer Heimatstadt ausbrechen und dabei
ihre Grenzen austesten bzw. maßlos überschreiten.
Ich half dabei Mitglieder aus den Klauen gieriger Provinz-Punks zu befreien, lachte
mit ihnen über bizarre Veranstaltungsorte und erfuhr Schritt für Schritt
über eine wahnsinnige, schon fast selbstzerstörerische Phase in der
TAGTRAUM Geschichte. Ich kenne bis heute nicht die genauen Gründe, aber es traf
mich relativ unerwartet, als ich davon hörte, dass David und Barnie sich 2001
entschieden die Band zu verlassen. Für mich war diese Band so fest in der Kombination
dieser vier Charaktere verankert, dass ich wohl nicht der einzige war der nicht damit
gerechnet hätte, dass sich TAGTRAUM von diesem Schlag erholen. Doch Tobi und Matze
machten weiter und holten Jörg Holdinghausen in die Band. Einen der unglaublichsten
Bassisten der Welt (jeder der die Band live gesehen hat, weiss was ich meine!).
Und spätestens mit "komm lass es echt sein" waren TAGTRAUM wirklich eine andere Band,
an sich selbst gewachsen. Eine positive, zutiefst aufrichtige Weiterentwicklung. Die ihnen
aber leider weder ihre Kritiker noch viele ihrer Fans zugestehen wollten. Wir durchlebten
gemeinsam viel schönes, hatten grausame Abende und
stundenlange Gespräche in fremden Küchen.
Über das ewige Missverstanden werden. Die Vorurteile und unqualifizierten Kommentare.
Die Reduzierung vieler Fans auf die Vergangenheit der Band. Und die bittere Erkenntnis das
TAGTRAUM von vielen Seiten nie die Anerkennung zu teil werden wird, die eine Band mit so
einer Geschichte und Konstanz eigentlich verdient hätte.
Trotzdem weiss ich das die Auflösung der Band keine bittere, beleidigte Reaktion ist
kein aufgeben, weil man "es nicht geschafft" hat. Sondern ein weiterer notwendiger Schritt
um sich selbst treu bleiben zu können.
Es ist an der Zeit los zu lassen. Sich auf etwas neues und ungewisses einzulassen.
Weil es genau darum im Leben geht: Nach vorne zu sehen und Risiken eingehen.
Ich bin stolz auf jeden Augenblick, in dem ich ein kleiner Teil dieser wunderbaren Band
sein durfte. Und ich freue mich auf jeden Schritt, den ich mit meinen Freunden in ihrem
Leben nach TAGTRAUM gehen darf.
Oise Ronsberger (Dancing In The Dark Records) Februar 2006




